Ich möchte mich nochmal mit diesem merkwürdigen Text über die Gottesanbeterin auseinandersetzten. Wenigstens so ein kleiner halbsinniger Nachtrag. Halb deswegen, weil nichts aus dem Hut gezaubert wurde, zumindest nichts wirklich Erhellendes.
Ich glaube es ist wichtig, dass man nicht versucht, die einzelnen Texte direkt auf unseren Trash in seinem Gesamtzusammenhang zu beziehen, sondern tatsächlich in der Struktur dieses Zyklus´denkt, der auf Moodle steht. Und da sind wir eben momentan noch nicht bei Trash, sondern bei Verdauung.
So weit so gut. Trotzdem direkt ein Einspruch: Die Sachen, die sich die liebestollen Insekten da gegenseitig unterjubeln - sei es eine tote Fliege oder Speichelkügelchen - sind mehrfach als Müll bezeichnet worden. Das ist meiner Meinung nach zwar eine der Notwendigkeiten, um den Text für das Seminar zu rechtfertigen, aber trotzdem falsch weil menschlich gedacht.
Natürlich ist für mich eine tote Fliege in gewisser Weise Müll. Aber wenn wir schon so spezifisch über Gottesanbeterin und Co. reden, dann erwarte ich doch auch, dass man sich in sie hineinversetzt. Denn da merke ich recht schnell, dass die tote Fliege kein Müll ist. Ein Mistkäfer würde vielleicht denken, dass eine von Menschen vor der Paarung überreichte Rose Müll ist. Es kommt immer auf den Habitus an (mal n cooles Wort verwendet :-)).
Immerhin: Wir sind gerade in einem Stadium, in dem Trash noch Müll ist. Dann bin ich schonmal gespannt auf die Sitzungen, in denen er vielleicht recycelt wird.
Zur Gottesanbeterin als Maschine: Auch hier war ich leider nicht einverstanden. Zum einen bin ich sicher, dass tatsächlich das Weibchen als Maschine bezeichnet wird, da der Text ja im vorangestellten Satz von der "mörderischen Geliebten" (Caillois 2007: S. 17) spricht und dann auf diese Bezug nimmt.
Zum andern habe ich die Gottesanbeterin (das Weibchen) deshalb als Maschine gesehen, weil sie in einem perfekten Kreislauf funktioniert, eben wie bei einem "vollkommenen, automatisch funktionierenden Räderwerk." (Caillois 2007: S.17). Sie produziert (neue kleine Gottesanbeterinnen), und was dabei an Müll anfällt (das Männchen nach Verrichtung seiner Aufgabe) wird sofort, noch während der Produktion, "recycelt".
Diese Deutung des Textes passt aber nicht zu "Trash" und wurde deshalb wahrscheinlich nicht beachtet. Was eher passt, ist die Verbindung von Maschine und Massenkultur, von der man sich ja abgrenzen möchte, indem man sich als Anhänger der Trash Couture outet. Aber das wird allmählich zu viel, ich werde lieber wieder auf die nächste Sitzung warten, sonst wird dieser eine Post unendlich.
Vermerkt bleibt: Etwas muss produziert/gezeugt werden, um weggeworfen und anschließend wieder recycelt werden zu können.
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