Was nun sinnig wäre zu klären: Ob wir im Seminar die drei Kategorien von Roller "Kitsch", "Trash" und "Camp" unter unserem Trash-Begriff vereinen und in allen drei Fällen von "Trash" sprechen, oder ob wir wirklich nur diejenigen "Artefakte" behandeln, die in Frau Rollers Kategorie des "Trash" fallen.
Zweiteres fände ich aus zwei Gründen schade:
Erstens kommen mir bei den beiden anderen Definitionen (Kitsch und Camp) lauter Dinge in den Sinn, die ich so richtig schön trashig finde. Wenn ich nach meinem Gefühl gehe, möchte ich ungern Kitsch nicht als Trash bezeichen dürfen, das passt irgendwie so gut. Das wiederum würde heißen, dass ich entweder den Text von Frau Roller falsch verstanden habe oder mein Verständnis von Trash in eine falsche Richtung geht. Beides gefällt mir nicht.
Zweitens dürfte ich nach Roller "DSDS" keinesfalls mehr als Trash bezeichnen, was mir aber in Anlehnung an "Erstens" ebenfalls gegen den Strich geht.
Erschwerend kommt bei dem Ganzen hinzu, dass sich mir eine gewisse Diskrepanz vor die Sonne der Erkenntnis schiebt, und zwar die überhaupt unterschiedliche Konnotation von "Trash" und "Trash Couture".
Bisher dachte ich, dass ich mit Trash beispielsweise ebensolche Massenphänomene bezeichnen darf wie ewig w
ieder aufs Neue aufgezogene TV-Shows oder aber Serien, in denen gestylteIndividuen in Ermangelung jeglicher Sozialkompetenz sich gegenseitig im "Falsch-Verstehen" und "sinnlose-Vorwürfe- an-den-Kopf-schmeißen" überbieten (wobei dann diese Sendungen paradoxerweise poetisch-kitschige(-trashige) Namen haben wie "Sturm der Liebe").
Das fällt aber nun weg, weil ich die genannten und verachteten Sendungen in keine der Kategorien "Trash", "Kitsch" oder "Camp" einzuordnen im Stande bin.
(Bild von: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:SDL.jpg, Stand: 03.05.07)
Grundsätzlich bleibt es aber wenigstens dabei: "[...]Trash [ist] durch und durch schlecht." (Roller 1997: S. 202) Da hab ich doch das Gefühl, mit sowas mag ich eher nichts zu tun haben. Das ist was für Freaks, für so "Komische", "Eklige", die keiner leiden kann.
Gleichzeitig scheint aber die Trash Couture ein derzeit durchaus beliebtes Massenphänomen zu sein, in dem sich jeder so richtig individuell vorkommen darf/kann und dem anzugehören erstrebenswert sein muss. Ich habe eine Menge Shirts mit Sprüchen drauf. Zählt das schon? Ist das schon irgendwie trashig?
Aber nein, ich will nicht dazugehören. Was mich stört ist die gemusste Künstlichkeit. Ich bin gezwungen, hässliche Sachen schön zu finden, nur damit - tja, nur damit ich mich von anderen abgrenze, das ist ja nicht mehr aktuell; die anderen grenzen sich ja auch von den anderen ab und dann stehn wir wieder auf der gleichen Seite.
Fazit: Mein Trash-Bild ist völlig auf den Kopf gestellt. Dass Lebenssinnkrisen beim Studieren vorkommen, ist mir klar, aber so...
Wahrscheinlich bleibt mir als einziger Ausweg, die offene Frage von Frau Roller zu klären und als Trendsetter, als Trash-Revolutionär einer neuen Generation von Massen-Unkultur-Aussteigern zu zeigen, "[w]o das alles hinführt [...]." (Roller 1997: S. 221)
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