Montag, 14. Mai 2007

zu den Speichelkügelchen...

Ich möchte mich nochmal mit diesem merkwürdigen Text über die Gottesanbeterin auseinandersetzten. Wenigstens so ein kleiner halbsinniger Nachtrag. Halb deswegen, weil nichts aus dem Hut gezaubert wurde, zumindest nichts wirklich Erhellendes.

Ich glaube es ist wichtig, dass man nicht versucht, die einzelnen Texte direkt auf unseren Trash in seinem Gesamtzusammenhang zu beziehen, sondern tatsächlich in der Struktur dieses Zyklus´denkt, der auf Moodle steht. Und da sind wir eben momentan noch nicht bei Trash, sondern bei Verdauung.

So weit so gut. Trotzdem direkt ein Einspruch: Die Sachen, die sich die liebestollen Insekten da gegenseitig unterjubeln - sei es eine tote Fliege oder Speichelkügelchen - sind mehrfach als Müll bezeichnet worden. Das ist meiner Meinung nach zwar eine der Notwendigkeiten, um den Text für das Seminar zu rechtfertigen, aber trotzdem falsch weil menschlich gedacht.

Natürlich ist für mich eine tote Fliege in gewisser Weise Müll. Aber wenn wir schon so spezifisch über Gottesanbeterin und Co. reden, dann erwarte ich doch auch, dass man sich in sie hineinversetzt. Denn da merke ich recht schnell, dass die tote Fliege kein Müll ist. Ein Mistkäfer würde vielleicht denken, dass eine von Menschen vor der Paarung überreichte Rose Müll ist. Es kommt immer auf den Habitus an (mal n cooles Wort verwendet :-)).

Immerhin: Wir sind gerade in einem Stadium, in dem Trash noch Müll ist. Dann bin ich schonmal gespannt auf die Sitzungen, in denen er vielleicht recycelt wird.

Zur Gottesanbeterin als Maschine: Auch hier war ich leider nicht einverstanden. Zum einen bin ich sicher, dass tatsächlich das Weibchen als Maschine bezeichnet wird, da der Text ja im vorangestellten Satz von der "mörderischen Geliebten" (Caillois 2007: S. 17) spricht und dann auf diese Bezug nimmt.

Zum andern habe ich die Gottesanbeterin (das Weibchen) deshalb als Maschine gesehen, weil sie in einem perfekten Kreislauf funktioniert, eben wie bei einem "vollkommenen, automatisch funktionierenden Räderwerk." (Caillois 2007: S.17). Sie produziert (neue kleine Gottesanbeterinnen), und was dabei an Müll anfällt (das Männchen nach Verrichtung seiner Aufgabe) wird sofort, noch während der Produktion, "recycelt".

Diese Deutung des Textes passt aber nicht zu "Trash" und wurde deshalb wahrscheinlich nicht beachtet. Was eher passt, ist die Verbindung von Maschine und Massenkultur, von der man sich ja abgrenzen möchte, indem man sich als Anhänger der Trash Couture outet. Aber das wird allmählich zu viel, ich werde lieber wieder auf die nächste Sitzung warten, sonst wird dieser eine Post unendlich.

Vermerkt bleibt: Etwas muss produziert/gezeugt werden, um weggeworfen und anschließend wieder recycelt werden zu können.

Mittwoch, 9. Mai 2007

Trash-Texte

Aaaalso, vorbildlich wie ich manchmal bin, hab ich grade die Texte für die nächste Sitzung gelesen.
Einerseits freut mich an ihnen, dass sie nicht dermaßen schwer zu lesen sind wie der Thompson-Text von letzter Sitzung (man muss sich auch über kleine Dinge freuen können).

Andererseits stimmt es mich ein wenig unzufrieden, dass ich sie in keinerlei Zusammenhang bringen kann mit unserem Seminarsgegenstand. Zwar ist ein Teilgebiet meines Studiengangs die Kunst, aber da was draus aufzubauen ist mir doch irgendwie zu weit hergeholt.
Gut, es gäbe die Möglichkeit, dass uns hier Trash in Textform präsentiert werden soll, dass sozusagen die Texte Beispiele sinnlosen Mülls sind im Hinblick auf unser Weiterkommen.

Aber ich bin nur ein kleiner bis mittelgroßer Student (je nach Vergleichsperson) und warte deshalb ab, welche erstaunlichen und verblüffenden Verbindungen der große Maestro Kümmel-Schnur aus dem Hut zaubern wird.

Desweiteren, und um davon wieder loszukommen, habe ich gelernt - im Zuge des allgegenwärtigen Poker-Hypes - dass es "Trash Hands" gibt. Das heißt ganz kurz und vereinfacht gesagt, man hat beim Pokern schlechte Karten. Nun gut, hier fehlt jetzt noch irgendwie der Verherrlichuungscharakter der Trash Couture; denn niemand wird es als besonders schick ansehen und gar zur Schau stellen, wenn er schlechte Karten hat.
(Bild von: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Dealer_Button.jpg, Stand: 09.05.07)

Gibt es eigentlich ein Spiel, bei dem derjenige mit den schlechtesten Karten gewinnt? Aber das wären dann ja schon wieder gute schlechte Karten...

Donnerstag, 3. Mai 2007

Mülltrennung

Nach Franziska Roller weiß ich jetzt, was schlechter Geschmack ist. Glaube es zumindest im Groben zu wissen, natürlich sind hier wie immer tausende von Aufsplitterungen möglich.
Was nun sinnig wäre zu klären: Ob wir im Seminar die drei Kategorien von Roller "Kitsch", "Trash" und "Camp" unter unserem Trash-Begriff vereinen und in allen drei Fällen von "Trash" sprechen, oder ob wir wirklich nur diejenigen "Artefakte" behandeln, die in Frau Rollers Kategorie des "Trash" fallen.

Zweiteres fände ich aus zwei Gründen schade:

Erstens kommen mir bei den beiden anderen Definitionen (Kitsch und Camp) lauter Dinge in den Sinn, die ich so richtig schön trashig finde. Wenn ich nach meinem Gefühl gehe, möchte ich ungern Kitsch nicht als Trash bezeichen dürfen, das passt irgendwie so gut. Das wiederum würde heißen, dass ich entweder den Text von Frau Roller falsch verstanden habe oder mein Verständnis von Trash in eine falsche Richtung geht. Beides gefällt mir nicht.

Zweitens dürfte ich nach Roller "DSDS" keinesfalls mehr als Trash bezeichnen, was mir aber in Anlehnung an "Erstens" ebenfalls gegen den Strich geht.

Erschwerend kommt bei dem Ganzen hinzu, dass sich mir eine gewisse Diskrepanz vor die Sonne der Erkenntnis schiebt, und zwar die überhaupt unterschiedliche Konnotation von "Trash" und "Trash Couture".
Bisher dachte ich, dass ich mit Trash beispielsweise ebensolche Massenphänomene bezeichnen darf wie ewig wieder aufs Neue aufgezogene TV-Shows oder aber Serien, in denen gestylte
Individuen in Ermangelung jeglicher Sozialkompetenz sich gegenseitig im "Falsch-Verstehen" und "sinnlose-Vorwürfe- an-den-Kopf-schmeißen" überbieten (wobei dann diese Sendungen paradoxerweise poetisch-kitschige(-trashige) Namen haben wie "Sturm der Liebe").
Das fällt aber nun weg, weil ich die genannten und verachteten Sendungen in keine der Kategorien "Trash", "Kitsch" oder "Camp" einzuordnen im Stande bin.
(Bild von: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:SDL.jpg, Stand: 03.05.07)

Grundsätzlich bleibt es aber wenigstens dabei: "[...]Trash [ist] durch und durch schlecht." (Roller 1997: S. 202) Da hab ich doch das Gefühl, mit sowas mag ich eher nichts zu tun haben. Das ist was für Freaks, für so "Komische", "Eklige", die keiner leiden kann.

Gleichzeitig scheint aber die Trash Couture ein derzeit durchaus beliebtes Massenphänomen zu sein, in dem sich jeder so richtig individuell vorkommen darf/kann und dem anzugehören erstrebenswert sein muss. Ich habe eine Menge Shirts mit Sprüchen drauf. Zählt das schon? Ist das schon irgendwie trashig?

Aber nein, ich will nicht dazugehören. Was mich stört ist die gemusste Künstlichkeit. Ich bin gezwungen, hässliche Sachen schön zu finden, nur damit - tja, nur damit ich mich von anderen abgrenze, das ist ja nicht mehr aktuell; die anderen grenzen sich ja auch von den anderen ab und dann stehn wir wieder auf der gleichen Seite.

Fazit: Mein Trash-Bild ist völlig auf den Kopf gestellt. Dass Lebenssinnkrisen beim Studieren vorkommen, ist mir klar, aber so...
Wahrscheinlich bleibt mir als einziger Ausweg, die offene Frage von Frau Roller zu klären und als Trendsetter, als Trash-Revolutionär einer neuen Generation von Massen-Unkultur-Aussteigern zu zeigen, "[w]o das alles hinführt [...]." (Roller 1997: S. 221)